SVSS'ler beim Wittensee Fight: 2. – 3. Mai 2009

Ansegeln für den neuen 505er „GER8991“ unter schwierigen Bedingungen.
Bild 2


Man kann nicht behaupten, wir würden das neue Boot gut kennen. Vieles hat sich gegenüber den älteren Booten so verändert, das ich die letzten Tage vor der Saison genutzt habe, die vielen Strippen zu beschriften. Das verkürzt während der Regatta die Zeit für Diskussionen... Und dann mein Steuermann Michael Köritz vom Zwischenahner Segelklub: auch er kennt nur nur die alten Dampfer, auf denen noch alles schön übersichtlich ist.
Immerhin, wir sind eine eingespielte Mannschaft. Unsere letzte gemeinsame Regatta war die WM in Cork 1982! Im Gegensatz zu früher sind wir dieses Mal tatsächlich als erste auf den See raus. Wenigstens das Grobe müssen wir jetzt noch schnell lernen. 30 Minuten vor dem Start also die erste Spi-Halse. Aber selbst die Wenden passen nicht richtig; erst vor der 3. Wettfahrt kriege ich raus, worauf ich achten muß, damit die Fockschot nicht als Wooling Stek das Manöver beendet.
Je näher der Start rückt, desto konzentrierter werden wir. Alles, was ab jetzt nicht richtig funktioniert, wird schlicht so schnell wie möglich korrigiert. Geflucht werden darf aber trotzdem. 30 Boote sind am Start, darunter ein beträchtlicher Teil der deutschen Spitzensegeler. Die Kieler Woche Ende Juni ist gleichzeitig die Europameisterschaft, so dass alle die Chance zum Regattieren nutzen. Bild 1 zeigt den ersten Start. „Mittendrin statt nur dabei“ ist unser Motto. Wir starten unter den späteren Siegern Hunger/Kleiner, unsere Segelnummer scheint durch das Segel des mehrfachen 470er- und 505er-Weltmeisters hindurch. In Bild 2 zeigt Sekunden nach dem Start, das wir einen guten Job gemacht haben. Michael reagiert auf die sich ständig ändernden Windbedingungen durch permanente Trimmänderung. Am Ende des ersten Laufes wird es Platz 11 – wir sind selber etwas überrascht.
Ach ja, die „neuen“ Kurse. Es wurde „up and down“ gesegelt, also: 1 Luvtonne und 1 Leetonne. Das Dreieck wurde 2001 entsorgt, auch wenn es noch nicht alle bemerkt haben. Die spitzen Spikurse gehören der Vergangenheit an; statt sich blutige Hände auf den Raumschotkursen zu holen, wird durch die Vorwindkurse das taktische Segeln in den Vordergrund gerückt. Jetzt kann man von hinten attackieren, aber auch selber das Opfer eines oder mehrere achterlicher 26 qm-Spinnaker werden. Spinnakerhalsen werden jetzt viel häufiger gefahren als früher, denn es wird vor dem Wind gekreuzt. Und genau das kostet uns einige Plätze, denn die Spimanöver klappen nicht reibungslos, im wahrsten Sinne des Wortes. Nach der Regatta stellen wir fest, dass sich das Spifall bei einer Bastelei kurz vor dem Start vertüddert hat und unsere Spibaumgabel war auch „sub-optimal“.
Im dritten Lauf kommen wir als 6. an die Luvtonne, doch gleich nach dem Abfallen rauscht ein Pulk Five-O’s an uns vorbei; wir waren zu sehr mit uns selbst beschäftigt und haben den Angriff nicht früh genug bemerkt. Am Ende steht ein 14. Platz in der Gesamtwertung; überraschend gut, wenn man die Umstände unseres Ansegelns bedenkt und sicherlich auch dadurch begünstigt, dass das Boot verdammt schnell ist.
Der zweite Tag ist Flautentag und trotzdem für uns ein Highlight. Unser Boot steht vorne am Steg und wird von vielen Seglern begutachtet. Man bringt uns ein sehr freundliches Interesse entgegen und macht viele Vorschläge, wo man noch krititsche Stellen abkleben und welcher Beschlag vielleicht ersetzt werden sollte. Dietrich Scheder-Bischien, der Steuermann von Holger Jess, legt sich ins Boot und guckt, ob der Mast gerade ist, Europameister Jens Findel diskutiert mit Michael über das Großschotdreieck und Julien Kleiner, Kieler Woche-Sieger von 2008, zeigt mir, wie man den großen Spinnaker richtig und schnell setzt. Schließlich schenkt mir Holger Jess eine neue Spibaumgabel, die wir in der folgenden Woche gleich montieren.
Die Organisatoren des Fights vom Wassersport-Club am Wittensee haben sich alle Mühe gemacht und ein sehr schönes Regatta-Wochenende auf die Beine gestellt. Nach der perfekt abgelaufenen Regatta gab es warmes Essen, eine Beamershow mit Bildern des Tages und für die Hartgesottenen (und etwas jüngeren) noch eine Disco. 70 Boote waren insgesamt am Start und selbst eine australische Segelnummer war zu sehen. Interessanter konnte der Wiedereinstieg in das 5o5er-Segeln nicht sein.

Mehr zum Wittensee Fight unter www.wscw.de/Wittensee_Fight-1-28.htm
Bild 3





Michael und ich vor der dritten Wettfahrt.











Bild 4
... kurz vor dem Zieleinlauf unter Spinnaker.